Tragwerksplanung im Industriebau – Statik für Hallen, Anlagenbau und Kranbahnen
Die Tragwerksplanung im Industriebau umfasst die vollständige statische Berechnung von Produktions- und Lagerhallen, Kranbahntragwerken, Rohrbrücken sowie Erschließungs- und Zugangssystemen in der Prozessindustrie. Bei IB Parusel erfolgt die Bemessung nach DIN EN 1993 (Eurocode 3) unter Berücksichtigung aller maßgebenden Lastfälle – von statischen Nutzlasten bis zu dynamischen Betriebseinwirkungen. Die Ergebnisse werden als prüffähige Statik dokumentiert.

Leistungsübersicht – Statische Berechnungen im Industriebau
Die Tragwerksplanung für industrielle Bauvorhaben umfasst folgende Leistungen:
- Statische Berechnung von Hallen- und Rahmentragwerken nach DIN EN 1993-1-1
- Kranbahnen unter Berücksichtigung dynamischer Radlasten und Ermüdungsnachweis nach DIN EN 1993-6
- Bühnen, Podeste und Laufstege für Chemie- und Industrieanlagen, einschließlich Anlagen nach Störfall-Verordnung (TRAS 320)
- Anschlussstatik und Knotenoptimierung mittels CBFEM-Methode (IDEA StatiCa)
- Tragwerksanalyse und Ertüchtigung bestehender Stahlkonstruktionen
Hallenstatik und Rahmentragwerke nach DIN EN 1993-1-1
Industriehallen stellen an das Primärtragwerk hohe Anforderungen hinsichtlich Spannweite, Nutzlast und Verformungsverhalten. Die Bemessung von Rahmentragwerken aus Stahlprofilen erfolgt nach DIN EN 1993-1-1 unter Ansatz aller maßgebenden Einwirkungskombinationen gemäß DIN EN 1990 und DIN EN 1991. Dabei werden Tragsicherheitsnachweise, Stabilitätsnachweise (Biegeknicken, Biegedrillknicken) sowie Gebrauchstauglichkeitsnachweise erbracht.
Die statische Berechnung umfasst das gesamte Tragwerk einschließlich Hauptrahmen, Pfetten, Wandriegel und Aussteifungsverbände. Für internationale Projekte werden die jeweiligen Nationalen Anhänge (NA) zum Eurocode angewendet – unter anderem für standortspezifische Wind-, Schnee- und Erdbebenlasten.
Kranbahnen – dynamische Bemessung nach DIN EN 1993-6
Die statische Berechnung von Kranbahntragwerken erfordert die gesonderte Behandlung dynamischer Einwirkungen. Radlasten aus dem Kranbetrieb erzeugen zyklische Beanspruchungen, die nach DIN EN 1993-6 und DIN EN 1993-1-9 im Ermüdungsnachweis zu berücksichtigen sind. Maßgebend sind dabei die Schwingbeiwerte, die Kranklasse sowie die Anzahl der Lastwechsel über die Nutzungsdauer.
Die Bemessung von Kranbahnträgern, Auflagerkonstruktionen und Anschlüssen erfolgt einschließlich der Beulnachweise an stegverstärkten Profilen. Für komplexe Knotengeometrien wird die FE-basierte CBFEM-Methode (IDEA StatiCa) eingesetzt, um Spannungsspitzen präzise zu erfassen und Tragreserven auszuschöpfen.
Projektbeispiel: Statik Kranbahn & Optimierung – Ermüdungssicherer Anschluss nach Eurocode 3
Aufgabe: Statische Detailberechnung und wirtschaftliche Optimierung eines Kranbahn-Auflagers
Herausforderung: Ermüdungsnachweis unter dynamischen Betriebslasten, Beulnachweise an stegverstärkten Profilen
Methode: FE-basierte Berechnung mit IDEA StatiCa (CBFEM) zur Bestimmung der Spannungsspitzen
Ergebnis: Materialeinsparung von über 20 % gegenüber der konventionellen Lösung durch Ausnutzung der Tragreserven
Norm: DIN EN 1993 (Eurocode 3)

Rohrbrücken und Infrastrukturtragwerke im Anlagenbau
Rohrbrücken in chemischen und petrochemischen Anlagen unterliegen neben den Lasten aus Rohrgewicht und Medienbelegung häufig erhöhten Sicherheitsanforderungen nach TRAS 320 (Technische Regeln für Anlagensicherheit). Ergänzend sind in der Regel kundenspezifische Werknormen der Betreiber zu beachten.
Die Bemessung solcher Tragwerke erfordert eine enge Abstimmung zwischen Tragwerksplanung, Verfahrenstechnik und Montageplanung. Besondere Anforderungen entstehen bei Ersatzneubauten im laufenden Betrieb: Das neue Tragwerk muss errichtet werden, ohne den Versorgungsbetrieb zu unterbrechen.
Projektbeispiel: Ersatzneubau Rohrbrücke unter Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs
Objekt: Ersatzneubau einer Stahl-Rohrbrücke im industriellen Anlagenbau für eine abgängige Bestandskonstruktion
Herausforderung: Errichtung als Überbauung der aktiven Trasse ohne vorherige Demontage des Altbestands – Versorgungsbetrieb während der gesamten Bauphase aufrechterhalten
Bemessungsgrundlagen: Statische Berechnung nach TRAS 320 sowie kundenspezifischen Werknormen
Konstruktion: Rahmenartiges Tragwerk mit geometrischer Anpassung an die Bestandsstützen zur Kollisionsfreiheit
Standort: Gelsenkirchen, Deutschland

Bühnen, Treppen und Laufstege für die Prozessindustrie
Erschließungs- und Zugangssysteme in Raffinerien, chemischen Anlagen und petrochemischen Betrieben unterliegen erhöhten Anforderungen an Tragsicherheit und Robustheit. Neben den Regellasten nach DIN EN 1991-1-1 sind die Anforderungen der Störfall-Verordnung und der TRAS 320 hinsichtlich äußerer Einwirkungen zu erfüllen.
Die Tragwerksplanung umfasst Treppentürme, Wartungsstege, Podeste und Verbindungsbrücken zwischen verfahrenstechnischen Einheiten. Geometrisch anspruchsvolle Konstruktionen – etwa radial geführte Laufstege zur Umfahrung von Bestandsanlagen – werden mittels 3D-FEM-Modellierung (SCIA Engineer) berechnet und nachgewiesen.
Projektbeispiel: Treppenturm mit Laufstegen für die Petrochemie
Objekt: Mehrgeschossiger Stahltreppenturm als zentrales Zugangssystem
Geometrie: Radial gekrümmter Wartungssteg zur Umfahrung bestehender Anlagenbauwerke
Verbindung: Obere Laufstege als Brückenverbindung zwischen zwei verfahrenstechnischen Sektionen
Konstruktion: Rahmenkonstruktion aus Stahlprofilen auf Stahlbetonfundamenten
Standort: Gelsenkirchen, Deutschland

Projektbeispiel: Treppenturm Petrochemie – Flucht- und Rettungsweg
Bauvorhaben: Tragwerksplanung für einen 25 m hohen Stahltreppenturm als ersten Flucht- und Rettungsweg im Außenbereich
Grundlagen: Statische Bemessung nach TRAS 320 unter Berücksichtigung erhöhter Sicherheitsanforderungen und kundenspezifischer Werknormen
Konstruktion: Stahlbau-Rahmenkonstruktion mit Gitterroststufen, optimiert für Industrielasten
Standort: Gelsenkirchen, Deutschland

Anschlussstatik und Knotenoptimierung mit IDEA StatiCa
Die konventionelle Komponentenmethode nach DIN EN 1993-1-8 führt bei geometrisch komplexen oder hochbelasteten Anschlüssen häufig zu konservativen Ergebnissen. Mit der CBFEM-Methode (Component-Based Finite Element Method), implementiert in IDEA StatiCa, werden Knotengeometrie und Lastpfade realitätsnah abgebildet.
Die Anschlussberechnung nach CBFEM liefert präzise Aussagen über Spannungsverteilungen, Schweißnahtbeanspruchungen und das Beulverhalten von Blechkomponenten. Gegenüber der Komponentenmethode können durch Ausnutzung plastischer Reserven signifikante Materialeinsparungen erzielt werden – bei gleichzeitig normkonformer Nachweisführung nach DIN EN 1993. IB Parusel setzt diese Methode standardmäßig für anspruchsvolle Knotendetails ein.
Projektbeispiel: Anschlussoptimierung – Materialeinsparung durch CBFEM nach EN 1993
Aufgabe: Detailstatik und Optimierung eines hochbelasteten Knotenpunkts
Methode: CBFEM (IDEA StatiCa) zur realitätsnahen Simulation des Tragverhaltens einschließlich komplexer Beulnachweise am Schalenmodell
Vorteil: Signifikante Materialeinsparung gegenüber der konventionellen Komponentenmethode durch Ausnutzung plastischer Reserven
Norm: DIN EN 1993 (Eurocode 3)

Bestandsanalyse und Ertüchtigung von Stahlkonstruktionen im Industriebau
Bei bestehenden Industrieanlagen entsteht Handlungsbedarf durch veränderte Nutzungsanforderungen, Schäden oder Normänderungen. Die Bestandsanalyse umfasst die Erfassung des Ist-Zustands, die Nachrechnung des vorhandenen Tragwerks nach aktuellem Regelwerk und die Bewertung der vorhandenen Tragreserven.
Auf dieser Grundlage werden Ertüchtigungsmaßnahmen bemessen: Verstärkungen von Querschnitten und Anschlüssen, Einbau zusätzlicher Verbände oder Stützen sowie Anpassungen der Lasteinleitung. Die Berechnung erfolgt nach DIN EN 1993 unter Berücksichtigung des nachgewiesenen Materialzustands.
Häufige Fragen zur Tragwerksplanung im Industriebau
Was kostet eine Statik für eine Industriehalle? Die Kosten für die Tragwerksplanung einer Industriehalle richten sich nach Größe, Komplexität und Leistungsumfang. Grundlage für die Honorarermittlung ist in der Regel die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) oder eine freie Vereinbarung. Auf Anfrage wird ein individuelles Angebot erstellt.
Welche Normen gelten für die Statik im Industriebau? Maßgebend sind DIN EN 1990 (Grundlagen der Tragwerksplanung), DIN EN 1991 (Einwirkungen), DIN EN 1993 (Stahlbau, Eurocode 3) sowie – bei Kranbahnen – DIN EN 1993-6. Für Anlagen mit besonderen Sicherheitsanforderungen gelten ergänzend die TRAS 320 und die Störfall-Verordnung. Bei internationalen Projekten kommen die jeweiligen Nationalen Anhänge zum Eurocode zur Anwendung.
Was ist ein Ermüdungsnachweis bei Kranbahnen? Kranbahntragwerke werden durch zyklisch wiederkehrende Radlasten beansprucht. Der Ermüdungsnachweis nach DIN EN 1993-1-9 stellt sicher, dass die kumulierten Spannungsschwingbreiten über die Nutzungsdauer die zulässigen Grenzen nicht überschreiten. Maßgebend sind Kranklasse, Anzahl der Lastwechsel und die Kerbfallklassifizierung der Schweißnähte und Anschlüsse.
Was bedeutet CBFEM bei der Anschlussberechnung? CBFEM (Component-Based Finite Element Method) ist eine FE-basierte Berechnungsmethode für Stahlbauanschlüsse, implementiert in IDEA StatiCa. Anders als die konventionelle Komponentenmethode nach DIN EN 1993-1-8 bildet CBFEM die reale Knotengeometrie ab und erfasst Spannungsumlagerungen und plastische Tragreserven. Das Ergebnis ist ein normkonformer Nachweis mit präziseren – und häufig wirtschaftlicheren – Ergebnissen.
Werden auch internationale Projekte im Industriebau bearbeitet? Ja. Die Tragwerksplanung nach Eurocode ist in allen EU-Mitgliedstaaten gültig. Aus langjähriger Projektarbeit besteht Erfahrung in der Anwendung nationaler Anhänge für eine Vielzahl europäischer Länder – darunter Österreich, die Schweiz, Belgien, Frankreich, die Niederlande, die Slowakei und die Tschechische Republik.

Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen
Mitglied der Kammer
Eingetragen in die Liste der Qualifizierten Tragwerksplaner (Nr. 750762)
